10
demenz
DAS MAGAZIN
|
17 · 2013
aber, dass er sich von dem Bewertungssystem nicht
irremachen lassen muss. Mit Note 5 bei den pflegeri-
schen Leistungen, mit 5 bei den ärztlich verordneten
Leistungen und einer Gesamtbewertung von 4,4 hätte
er wohl kaum eine Chance, auf dem Pflegemarkt zu
bestehen, wenn diese Noten ernst genommen würden.
Doch ein Blick hinter die Kulissen bestätigt, dass die-
ses so schnell auf den Weg gebrachte System in der
Praxis scheitert. Extrem oberflächlich und unflexibel
gibt es den Prüfern mit ihrer subjektiven Einschätzung
ein Instrument in die Hand, welches ihnen bestenfalls
„Machtausübung“ verleiht. Eine objektive Einschätzung
dessen, was Pflegedienste leisten, um die ihnen anver-
trauten Menschen zu pflegen, erlaubt es kaum. Eigent-
lich geht es nur darum, so zu dokumentieren, dass es in
ein starres System von Prüfkriterien und Bausteinen der
Computersoftware passt. Einträge und Aussagen, die
dem nicht entsprechen, gelten als nicht dokumentiert.
„Einer unserer Patienten äußerte, dass ihm übel sei“,
sagt Jens Krauspenhaar. „In der ‚Doku’ wurde von uns
vermerkt, dass dem Patienten übel sei. Laut MDK-Vor-
lage hätte es aber heißen müssen: Patient hat geäußert,
dass ihm übel ist. Von der Art könnte ich einige weitere
Beispiele aufzählen. Bei uns als mobilem Pflegedienst
treffen cirka 45 Prozent der Fragen nicht zu, dafür fallen
die zutreffenden dann bei der Benotung umso mehr ins
Gewicht. Wenn nur eine Frage des Kataloges oder nur
ein Patient geprüft werden kann und dies mit 5 bewer-
tet wird, geht diese Note in die Gesamtbewertung ein.
Es gibt keine sinnvolle Mittelwertbildung. Das Sys-
tem der Prüfungen funktioniert so nicht, die Pflege-
noten sind absurd. Wenn überhaupt Prüfung, dann
angepasst an die Menschen in ihrer Individualität und
an die Einrichtungen und Pflegedienste, so klein und
ungewöhnlich sie auch sein mögen. Ich denke, dass
noch keiner unserer Patienten auf die Noten geschaut
hat. Im ländlichen Raum wird noch von ,Mund zu Mund‘
empfohlen. Für uns ist die Dokumentationspflicht nur
eine enorme Mehrbelastung und Zeit, die nicht bezahlt
wird. Wir kleinen Pflegedienste sind ohnehin schon die
Stiefkinder der Kassen. Große Einrichtungen haben da
eine ganz andere Lobby.“
Altenheime werden aber nicht nur durch den MDK
geprüft, auch die Heimaufsicht und 17 weitere Stellen
melden Bedarf an. Nach der Atomindustrie und der
Altenheime sind nach Atom
industrie und Gentechnologie
die meist überprüfte Branche.