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demenz
DAS MAGAZIN
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17 · 2013
buchvorstellungen
Gunter Frank
Schlechte Medizin
Ein Wutbuch
Albrecht Knaus Verlag, München
2012
ISBN 978-3-8135-0473-6
288 Seiten,€ 16,99
(unter der ISBN 978-3-442-74584-
5 ist der Titel ab Mitte April 2013
auch als TB für € 8,99 erhältlich)
Nicht die Medizin an sich ist
schlecht, ist das Fazit von Gunter
Frank. Auch nicht der einzelne
praktizierende Arzt. Es geht um
das System.
In einem gut zu lesenden Stil stellt
Frank die vielen Glaubenssätze für
eine gesunde Lebensführung bloß
und zeigt auf, wie diese von Interes-
sen geleitet in die Welt gesetzt wer-
den. Dabei geht es nicht allein um
Medizin und Wissenschaft, sondern
auch darum, wie stark diese Glau-
benssätze in uns allen verankert
sind und uns prägen. Und niemand
stellt sie infrage oder überprüft, ob
stimmt, was da so vehement be-
hauptet wird. Wer hinterfragt, ist
ein Ketzer, schreibt Frank und führt
den Leser hinter die Kulissen einer
wissenschaftlich gestützten Schein-
welt. Diese Gesundheitsscheinwelt
dient nicht nur ökonomischen Inter-
essen oder Karriereleitern, sondern
verschweigt und verharmlost die
Nebenwirkungen von Medikamen-
ten und Maßnahmen, die Menschen
krank machen. Dies erzeugt die Wut
Franks, die bereits im Titel sichtbar
wird.
Rainer Funke
|
Martin
Stummbaum (Hrsg.)
CARE DESIGN
Neue Designhorizonte für (zu)
pflegende Menschen
Fachhochschule Potsdam
Brandenb. Univ.-Druckerei & Verl.-
Ges. 2012
ISBN Nr. 3-934329-52-7
164 Seiten
Das Buch beschreibt das Projekt
„Design als Beitrag zur Pflege“ der
Forschungskooperation des Lan-
desausschusses für Innere Mission –
Dienste für Menschen gemeinnützi-
ge AG (LAFIM) mit der FH Potsdam:
Wie sieht die Alltagswelt aus Sicht
der pflegebedürftigen Menschen
und deren speziellen Bedürfnis-
sen aus? Wie kann das Design von
Produkten und Kommunikations-
mitteln in Pflegeheimen verbessert
werden?
Diese Fragen stellten sich 42 Stu-
dierende unter der Leitung von
Professor Dr. Rainer Funke und
Professor Dr. Martin Stummbaum.
Dabei sollte die Vorortforschung
der Verbesserung der Selbststän-
digkeit und Autonomie im Alter
dienen. Entwickelt wurden so u. a.
Konzepte für spezielle Möbel, für
Orientierungssysteme, zur Spiel-
entwicklung, zur alterstauglichen
Anwendung Neuer Medien und
vieles mehr.
Die Beiträge in der vorliegenden
Publikation beschreiben lebendig
– in Text und Bildern – die Erkennt-
nisse und neuen Designvorschläge
der einzelnen Teams: eine für Praxis
und Wissenschaft anregende und
zukunftsorientierte Lektüre.
Reimer Gronemeyer
Das 4. Lebensalter
Demenz ist keine Krankheit
Pattloch, München 2013
ISBN 978-3629130105
304 Seiten, € 19,99
Demenz ist in aller Munde und als
Thema schon lange in der Öffent-
lichkeit angekommen. In seinem
Buch „Das 4. Lebensalter“ greift
der Soziologe und Theologe Reimer
Gronemeyer das Thema auf und for-
dert einen neuen Umgang mit der
wachsenden Zahl „altersverwirrter“
Menschen. Dabei argumentiert er,
dass Demenz vor allem eine Alters-
erscheinung und keine Krankheit
sei. Demenz würde immer in die
medizinisch-pflegerische Ecke
abgeschoben, notwendig sei aber
eine Thematisierung der sozialen
Aspekte und Folgen. So gibt es
mittlerweile auch eine breit aufge-
stellte Demenzindustrie mit vielen
Profiteuren. Gronemeyer stellt dies-
bezüglich unbequeme Fragen, wie
etwa: „Wer hat eigentlich welches
Interesse an einer Pathologisierung
der Demenz und wer verdient da-
ran?“
Sein Credo: Nicht die Pharmain-
dustrie könne das Problem lösen,
notwendig seien vielmehr eine neue
Kultur des Helfens und die Neuer-
findung einer nachbarschaftlichen
Gesellschaft.
Markus Metz/
Georg Seeßlen
Bürger erhebt
euch!
LAIKA-Verlag · 24,90
€
LAIKAtheorie
Metz/Seeßlen
Bürger erhebt euch!
Kritik, Opposition, Dissidenz, Ungehorsam gegen
die unheilvolle Verbindung von Finanzkapitalismus
und Postdemokratie hat viele Namen, viele Me-
thoden, viele Ansätze, Wege und, logisch, Umwe-
ge. Aber vielleicht gibt es eine Forderung, die dem
allen zugrunde liegt (und die uns scharf von al-
ler Dissidenz auf der anderen, der »rechten« Seite
trennt): Wir wollen nicht weiter mitgehen auf dem
Weg in eine unmenschliche Gesellschaft!
Wenn wir uns empören über die neuen Exzesse
dieser Lügen, die uns, wenn das Fernsehen nicht
ausreicht, schon auch einmal mit Wasserwerfern,
Pfeffersprays und Polizeiknüppeln eingebläut wer-
den, kommen wir um die fundamentaleren Fra-
gen nicht herum: Ist das noch ein menschliches
System (mit Fehlern, wie es sich gehört) oder ist
es schon ein Riesenfehler der Menschheit? »Em-
pört euch«, so lautete der Titel eines viel gelesenen
kleinen Büchleins aus dem linksrheinischen Nach-
barland, das an die verschüttete Fähigkeit des Bür-
gers erinnert, sich nicht alles gefallen zu lassen.
Bravo! Doch scheint uns die Kraft der Empörung
nur das eine. Das andere ist ihr Ziel. Es liegt irgend-
wo zwischen unserem Vorgarten (oder dem Fens-
ter mit dem Basilikumtopf) und der ganzen Welt,
vielleicht auch in der Beziehung zwischen beidem.
Niemand, der glaubt, es dürfe und könne immer so
weiter gehen wie im ersten Jahrzehnt des neuen
Jahrhunderts, wird dieses Buch lesen.
Markus Metz
, geboren
1958, Studium der Pub-
lizistik, Politik und Thea-
terwissenschaft in Berlin,
lebt als freier Journalist
und Autor in München.
Georg Seeßlen
, gebo-
ren 1948, Studium der
Malerei und Kunstge-
schichte. Freier Autor
von Büchern, Art ikeln
und Rundfunkbeiträgen, gelegentlich Dozent für
Bild- und Medientheorie. Lebt in Kaufbeuren und
Vendone (SV).
Ziviler Ungehorsam ist ein fundamentaler Bestandteil je-
der Demokratie, gerade weil er reagiert auf die Brüche zwi-
schen Rechtspraxis und Gerechtigkeit, Freiheit und Staat,
Politik und Menschlichkeit, Selbstdarstellung und Korrupti-
on der politischen Klasse, Verantwortung und Macht, auf
die Selbstwidersprüchlichkeit des Systems. Es ist die Form,
in der sich politisches Handeln aus moralischen Gründen
äußert: Der Beschluss der Bürgerinnen und Bürger, auf
dem Weg in eine unmenschliche Gesellschaft nicht mehr
mitzugehen und stattdessen die drei großen Werte einer
menschlichen Gesellschaft wieder einzufordern: Freiheit,
Gerechtigkeit und Solidarität.
Bürger, erhebt euch begründet das Recht auf Kritik, Dissi-
denz, Einspruch, Widerstand und zivilen Ungehorsam in ei-
ner Gesellschaft, in der postdemokratisches Regieren und
neoliberales Wirtschaften Bürger- und Menschenrechte
bedroht, fragt nach Formen und Zielen des »bürgerlichen
Aufstands« und formuliert die politische Kultur einer posthe-
roischen und postdogmatischen sozialen Bewegung. Die-
se neue soziale Bewegung ist mit dem Occupy-Impuls
noch nicht zu Ende, sie hat gerade erst angefangen!
www.laika-verlag.de
www.laika-verlag.de
Postdemokratie,
Neoliberalismus
und ziviler Ungehorsam
Markus Metz | Georg Seeßlen
Bürger erhebt euch!
Postdemokratie, Neoliberalis-
mus und ziviler Ungehorsam
Laika-Verlag, Hamburg 2012
ISBN 978-394228-111-9
398 Seiten, € 24,90
Stuttgart 21 steht bundesweit als
ein Beispiel dafür, wie Bürgerinnen
und Bürger sich gegen Fehlplanun-
gen der Politik zur Wehr setzen. In
ihrem Buch „Bürger erhebt euch!“
begründen die Autoren, warum es
Sinn macht, sich gegen bestimmte
gesellschaftliche Entwicklungen zu
erheben. Gegen Entwicklungen, die
von einer zunehmenden Abschaf-
fung von Gerechtigkeit, Freiheit und
Solidarität gekennzeichnet sind. Die
Verfasser argumentieren für das
Recht auf Kritik, Widerstand und
zivilen Ungehorsam.
Ziviler Ungehorsam etwa ist für
Metz und Seeßlen die Form, in der
sich politisches Handeln aus mora-
lischen Gründen äußert. So ist er
in der aktuellen gesellschaftlichen
Situation ihrer Meinung nach nicht
nur Recht, sondern auch Pflicht für
jeden denkenden, fühlenden und
handelnden Menschen. In ihrem
Buch verfolgen sie die Ursachen
und das Wesen des zivilen Ungehor-
sams als fundamentalem Bestand-
teil jeder Demokratie. So bieten sie
Leserinnen und Lesern jede Men-
ge Stoff zum Nachdenken – damit
dies vielleicht einmal im Handeln
mündet.