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demenz
DAS MAGAZIN
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16 · 2013
Hintergrund
Ich erinnere mich gut an meine Entscheidung, keine
Ausbildung in der Krankenpflege, sondern in der Al-
tenpflege zu machen. So froh ich im Nachhinein dar-
über bin, so absurd kommt mir heute die Entstehung
dieser für mich so bedeutungsvollen Entscheidung vor.
„Schuld“ daran war meine Stationsschwester während
meines Zivildienstes im Krankenhaus. Nach 20-monati-
ger Dauer des Zivildienstes hatte ich so viel Gefallen an
dem Beruf gefunden, dass ich mich entschied, den Beruf
des Krankenpflegers zu erlernen. Voller Freude teilte
ich dies meiner damaligen Stationsschwester mit und
erwartete eigentlich „ergreifende“ Freude. Stattdessen
zögerte sie, wurde sehr nachdenklich und forderte mich
auf, mir das noch einmal gut zu überlegen. Ich könnte
In der Pflege von Demenzbetroffenen bedarf es einer
professionellen Distanz, die auch das Mitfühlen und
Mitleiden in einem geschützten Raum beinhaltet
Detlef Rüsing
doch schließlich auch studieren. Sie wüsste nicht, ob der
Beruf etwas für mich sei. Ich weiß noch, dass ich ziem-
lich frustriert nach Hause ging und mir viele Gedanken
machte und mich fragte, was ich wohl falsch mache?
Ich dachte, dass ich gut mit den Patienten umgehen
würde und mich nicht wirklich ungeschickt anstellte,
wenn es um Verbandswechsel oder andere Assistenz
bei der medizinischen Versorgung ging.
Profi sein – bedeutet das, fremdes Leiden
abzuwehren, Freude aber zuzulassen?
Oder müssen Gefühle generell draußen
bleiben?
Professionelle Gefühlsarbeit